Samstag, 24. August 2013

Leon de Winter. Ein gutes Herz. Aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers

Theo van Gogh ist tot. Sein Mörder - der auch gern sterben wollte - nicht. Doch nachdem er van Gogh die Kehle durchtrennt hatte, wurde der marokkanische Islamist Mohammed Bouyeri von einem Schuß der Polizei getroffen und gefangen genommen. Seitdem sitzt er im Gefängnis.

Was dann passiert? Theo van Gogh landet im Himmel:
"All die stumpfsinnigen, schmalspurigen Märchen von der großen Abrechnung über das Leben, auf die man sich im Tod gefasst machen könnte, entsprachen der Wahrheit - das erfuhr Theo van Gogh am eigenen Leib (naja, LEIB hier nur im übertragenen Sinne)."
Im Himmel dann begegnet van Gogh dem schwarzen Franziskanerpriester Jimmy, der den Hirntod gestorben war. Noch vor seinem Tod wurde sein Herz gespendet.....
Weil ich an der Stelle einfach nicht zu viel verraten möchte, springe ich jetzt zu Leon de Winter, der auch eine wichtige Rolle in diesem total verrückten, elektrisierenden Roman spielt. Leon de Winter hat sich gerade von seiner Frau Jessica Durlacher getrennt und beginnt eine Affäre mit der attraktiven Sonja, die zwar noch um Jimmy trauert, durchaus aber offen für eine neue feste Beziehung ist. Ihr persönlicher Alptraum ist seit zehn Jahren Max Kohn, ihr Ex-Mann. Sie liebt ihn noch immer, doch genauso stark hasst sie ihn auch. Dafür gibt es mehrere Gründe, um nur ein paar zu nennen: er kokst, trinkt, lebt total gewissenlos und hat Frauen wie es ihm gefällt.
Aber....Max Kohn hat ein krankes Herz.
Sehr abgedreht, total crazy,ich verspreche es!! Denn gelenkt wird alles, was in dieser Story geschieht, aus dem Himmel: von Jimmy und van Gogh. Theo van Gogh nämlich bekommt die Chance, den glücklichsten Tag seines Lebens wieder und wieder zu erleben. Doch muss er dafür einen von drei Menschen auf der Erde beschützen. Und er entscheidet sich für Max Kohn.

Und das ist nur der Rahmen der Handlung, in deren Verlauf noch spektakuläre Ereignisse und unerwartete Zwischenfälle passieren. Und in der es so viel menschliche Wärme gibt.
Ach, man möchte niederknien vor diesem Geniestreich.
Leon de Winter hat mit "Ein gutes Herz" einen spannungsgeladenen, zeitaktuellen Roman geschrieben. Und wie ich finde, seinen besten. Die Darstellung gewalttätiger Tendenzen in unseren Großstädten in Konfrontation mit dem Wunsch der meisten Menschen nach einem normalen Alltag ist grandios. Die Konstruktion der Geschichte, der Zusammenhang zwischen den Figuren und Situationen gleicht einem riesigen Mosaik, das sich Stück für Stück zusammensetzt zu einem farbigen Ganzen.

Nach einem gewaltigen Showdown dann ein versöhnliches Ende und dennoch bleibt die Frage, ob wir nicht vielleicht doch auf einem gewaltigen Pulverfass sitzen -