Sonntag, 4. August 2013

Hans Pleschinski. Königsallee - Mit Thomas Mann und Klaus Heuser in Düsseldorf


Wieder sind es die ersten Sätze, die einen bannen:


Der Aufruhr im "Breidenbacher Hof" war groß.
Das Grand Hotel befand sich im Ausnahmezustand.
Krude Zeiten.
Da mußte man durch.
Knappe Sprache, lakonische Formulierungen.
Doch, leider - so bleibt es nicht.
Der Stoff verdichtet sich.
Oftmals wünscht man sich beim Lesen der insgesamt 388 Seiten eine Raffung, mehr Tempo.
Eindrucksvolle Szenen und die Neugier, ob Thomas Mann und Klaus Heuser sich nun wiederbegegnen werden, treiben einen trotzdem weiter.
Denn die Story ist insgesamt atmosphärisch dicht und faktenreich erzählt.

Sommer 1954 in Düsseldorf:
Klaus Heuser, der schöne junge Mann, in den Thomas Mann sich 1927 verliebt hatte und der ihm Inspiration war für die Romanfigur des Joseph, gastiert im Düsseldorfer Hotel. Er ist nicht allein. An seiner Seite der exotisch wirkende asiatische Geliebte Anwar.
Auch Thomas Mann mit Frau Katia und Tochter Erika ist zu Gast in jenem Hotel.
Er wird aus dem "Felix Krull" lesen. Die Lesung ist komplett ausverkauft. Der Magier, der Zauberer, der Nobelpreisträger - Thomas Mann ist berühmt und beliebt.
Desweiteren tauchen in der Story Golo Mann und der Dichter Ernst Bertram auf. Erika Mann gerät in Disput mit ihrem Bruder und auch mit Klaus Heuser.
Lange Reden und Monologe zeigen die Zweifel und Hoffnungen der 50er Jahre. Man erfährt so viel. Zu viel.
Glücklich war ich beim Lesen immer dann, wenn es so ganz persönliche Szenen gab.
Zwischen Klaus und Anwar. Oder zwischen dem Ehepaar Mann.
Und grandios dargestellt ist auch der Abend der Lesung mit anschließendem Sektempfang. Dafür hat sich der Roman dann eben doch gelohnt.