Dienstag, 3. September 2013

Daniel Kehlmann. F

Die Erwartung war groß, ich gebe es zu! Ganz besonders nach "Vermessung der Welt" und auch nach "Ruhm". Aber schon die Idee der drei Halbbrüder mit den verschiedensten Lebenswegen verspricht Spannung.

Martin, Priester, glaubt nicht an Gott. Nun ja, er bemüht sich und hofft, dass ER irgendwann zu ihm spricht, dass der Glaube zu ihm kommt. So lange verteilt er erstmal die Hostien, predigt, nimmt Beichten ab. Weiß er mal keine Antwort auf eine Glaubensfrage, dann spricht er überzeugend davon, dass alles ein großes Mysterium sei. Was für eine Lüge.
Mit Mädchen kam er nie richtig gut klar, einen Bürojob hat er nie gewollt. Priester werden - das war irgendwie bequem.

Eric, Finanzberater, hat Millionen Euro seiner Kunden veruntreut, schluckt Unmengen von Pillen, hat Visionen. Was er bei aller Verwirrtheit ganz sicher weiß: es dauert nicht mehr lange, bis die Lügen auffliegen. Er ist von den drei Brüdern der verrückteste. Die Gespräche, die er führt, die Nachrichten, die er auf seinem Handy versendet, sie sind deshalb von großartiger Situationskomik geprägt. Doch so komisch sie wirken, so tragisch sind sie eigentlich. Wenn sich wattige Gleichgültigkeit um ihn legt, und er einfach weitermacht. Mit dem Wissen, eines Tages alles zu verlieren, "man wird den Namen Eric Friedland mit Abscheu nennen, wer dir jetzt noch vertraut, wird dich verfluchen, deine Familie wird zerfallen, und dich sperrt man ein."

Iwan, Kunstfälscher, wollte gern Maler werden. Von den drei Brüdern hat er die meisten Sympatien. Er führt den gesamten Kunstbetrieb ad absurdum. Skurrile Aktionen, Betrügereien und auch hier das Wissen, dass es nicht ewig gut gehen kann.

Das klingt jetzt vielleicht wie eine einfach gestrickte Story. Doch das ist es nicht. Im Gegenteil. Denn alle drei Schicksale sind durch außergewöhnliche Nebenhandlungen miteinander verknüpft. Und natürlich durch ihren selten anwesenden Vater Arthur Friedland. Hypnose und Tarot spielen eine Rolle. Was ist Wirklichkeit und was ist Schein?

Mehr kann man eigentlich nicht verraten. Nur, dass F zu lesen, ein absolut großes Abenteuer ist.
Man entdeckt so viel. Es genügt auch nicht, das Buch nach dem letzten Satz einfach zuzuschlagen. Es arbeitet weiter in den Gedanken, lässt einen so schnell nicht los. Und wie hat es auf Seite 7 eigentlich angefangen?
"Jahre später, sie waren längst erwachsen und ein jeder verstrickt in sein eigenes Unglück, wusste keiner von Arthur Friedlands Söhnen mehr, wessen Idee es eigentlich gewesen war, an jenem Nachmittag zum Hypnotiseur zu gehen.
Es war das Jahr 1984, und Arthur hatte keinen Beruf. Er schrieb Romane, die kein Verlag drucken wollte....
Auf der Hinfahrt sprach er mit seinen Söhnen über Nietzsche und Kaugummimarken... sie stellten Hypothesen darüber auf, warum Yoda so seltsam sprach, und sie fragten sich, ob wohl Superman stärker war als Batman...."