Samstag, 21. September 2013

Joana Zimmer. Blind date. Die Welt mit meinen Augen sehen

Diese autobiographische Geschichte der Sängerin Joana ist mehr als nur ein Buch über ihr Leben, ihre Songs. Doch dazu später mehr -
Bereits der Einstieg in die Story ist super spannend und sehr atmosphärisch, wenn sie im Kapitel Miss JZ in concert von einem Auftritt erzählt:
"Der Wagen hält. Die wenigen Schritte zum Bühneneingang gehen wir gemeinsam. Ein Flur, links, rechts..... wir gehen schweigend, konzentriert. .... Das Stimmengewirr der Menge dringt zu mir. Ausverkauft heißt es. Was wird dieser Abend bringen? ...Plötzlich die Spots, nur wenige Schritte sind es zum Mikro. Applaus brandet auf.... Ich spüre die Band hinter mir, kann mich auf alle verlassen, die mit mir sind..."
Dieses großartige Gefühl, das sich hier aufbaut - irgendwie fühlt man sich erinnert an die erste Szene im Film "Jonny Cash", kurz bevor er den berühmten Folsom Prison Blues singt. Dieses Stampfen und rhythmische Klatschen der Mithäftlinge, seinen Fans. Man fiebert mit.

Passend zum jeweiligen Inhalt, sind alle Kapitel in "Blind date" mit Joanas Songs überschrieben. Tolle Idee!
So erzählt sie in Not looking back über Schwierigkeiten und Enttäuschungen, die sie auch immer als Herausforderung gesehen hat. Und egal, was passiert, sie geht weiter mit dem Blick nach vorn.

In Papa can you hear me ist das Thema ihre Familie. Man spürt, dass von Kindheit an viele Menschen Joana liebevoll erzogen und sie geprägt haben. Allen voran ihre geliebte Großmutter.
Der Großmutter ist überhaupt auch das Buch gewidmet. Sie ist es, die man immer und überall zwischen den Zeilen spürt, als hätte sie beim Schreiben über Joanas Schulter geschaut. Lächelnd, weise, voller Liebe und mit diesem unerschütterlichen Optimismus und der Gabe, immer die positiven Seiten im Leben zu sehen.
Joana hat diese Dinge übernommen. Auch und ganz besonders, wenn es um ihr Handicap geht.
Als würde sie sagen, okay, ich kann nicht sehen, aber es gibt doch unendlich viele Möglichkeiten, das Leben zu genießen .
Ein Beispiel sind die Ferien in Tirol und ihr lakonischer Satz:
"Wer sagt denn, dass man beim Skifahren sehen können muss?"
Ihre Power und ihr Ideenreichtum scheinen grenzenlos. Manche Passagen sind spannend wie ein Thriller. Atemlos liest man über ihren Weg von der ersten Demo-CD (selbst gebrannt und allein versendet an unzählige Plattenlabels) bis zum Platz 2 in den deutschen Single-Charts 2005.
Oder über den Wechsel von BMG zu Universal.

"Blind date" ist auf jeden Fall ein sehr persönliches Buch. Man hat nach dem Lesen das Gefühl, ihr ein Stück näher gekommen zu sein. Egal ob es um Yoga, Singen, Tanzen, Sinnlichkeit oder Fashion geht.
Doch es ist auch ein Buch, in welchem unglaublich viel Power steckt.
Eine Story, die zeigt: So geht es auch!!!!
Inspirierend und einzigartig, kraftvoll und sensibel zugleich.